Bericht aus der Bücherei

Diesmal also eine Reportage für DIE ZEIT über die Wiener Hauptbücherei am Urban-Loritz-Platz. Für mich ein besonderer Ort, habe ich doch in den vergangenen Jahren viel Zeit in dem sogenannten „Bücherschiff“ verbracht. Lesend, recherchierend, beobachtend.

Es ist dieses Potpourri an unterschiedlichen Menschen und Herkünften, das mich immer wieder anzieht. „Divers“ nennt man das heute, und jene, die dieses Wort verwenden, haben schon längst jede Sensibilität für Bedeutungen verloren, geben einfach jene glatten, mechanistischen Begriffe wieder, die nichts aussagen – bloß beredt über jene Auskunft geben, die sie verwenden. Nennen wir es: Excel-Sprech.

Davon ist in der Hauptbücherei wenig zu hören, nicht zuletzt, weil hier tatsächlich Ruhe herrscht, sich alle – wenn nicht gerade so wie jetzt gerade umgebaut und teilgesperrt wird – unter einer Kuppel des Schweigens versammeln, um ihren Gedanken nachzugehen, zu lernen, sich in ein Buch zu vertiefen.

Dass Öffentliche Büchereien seit über 140 Jahren nicht nur Einrichtungen sind, in denen Bücher verliehen werden – nennt sich heute nachhaltig-schick „Sharing Economy“ -, sondern auch Menschen ein Refugium bietet, in dem es keine Rolle spielt, welchen Bildungshintergrund, welches Einkommen, welche Herkunft man hat, wird dabei gerne übersehen.

Büchereien sind also ein sozialer Faktor. Ganz gleich, ob im Großstadt-Grätzl oder in der Dorf-Gemeinde. Hier wie dort geht es darum, nicht nur Medien aller Art anzubieten, sondern für die Menschen vor Ort da zu sein. Als Kultureinrichtung, als Rückzugsort, als Bildungspartner.

Das ist die eine Geschichte, die ich in meiner Reportage für die ZEIT erzähle. Die andere handelt vom digitalen Wandel, der die Öffentlichen Bibliotheken erfasst hat. Und das bezieht sich nicht auf jenen fatalen Hacker-Angriff, der die Wiener Büchereien heimgesucht hat.

Wer braucht noch Büchereien, wenn so gut wie alle Medien und Informationen online verfügbar sind? Das ist eine jener Fragen, die ich Christian Jahl, dem Leiter der Hauptbücherei am Urban-Loritz-Platz, gestellt habe. Seine Antwort und wie die Wiener Büchereien dem Angriff von Amazon, Google, Apple und Konsorten entgegen treten, ist in meiner Reportage in der aktuellen Ausgabe der ZEIT 30/2019 zu lesen.

Spoiler: Die Pläne sind eher divers.

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