Die Kunst des Kickbikens

Jurek Milewski hat Glück gehabt. 1989, kurz vor dem Fall der Mauer, ist der gebürtige Pole nach Österreich gekommen. Das war gleich in vielerlei Hinsicht ein kleines Wunder.

Zum einen, weil er sich für diese Reise in einen Polski Fiat Maluch, eine Art Schrumpf-Kommunist mit Heckmotor, zwängen musste, zum anderen, weil der ausgebildete Schauspieler und Regisseur zuvor dutzende Bewerbungsschreiben auf einer alten DDR-Schreibmaschine verfasst hatte, um  im Westen ein Engagement zu finden.

In Salzburg zeigte man Interesse – bloß wurde kein Schauspieler sondern ein Sänger für den Chor des Landestheaters gesucht. Milewski: „Als sie mich dort nach meiner Tonlage fragten, habe ich nur gesagt: Um hier bleiben zu können, singe ich in jeder Tonlage, die Sie sich wünschen.“ Man einigte sich schließlich darauf, dass der Bewerber einen ziemlich passablen Tenor habe. Milewski bekam die Stelle – und lebt seitdem mit seiner ebenfalls polnischen Frau Beata in der Mozartstadt.

Mittlerweile hat er auch wieder zu seinem eigentlichen Brotberuf, der Schauspielerei und  Theaterregie, zurück gefunden und bespielt die großen und kleineren Bühnen der Stadt – was jetzt nicht mehr als eine interessante biographische Notiz eines Emigranten wäre, hätte Jurek Milewski nicht ein eigentümliches Faible für eine Sportart entwickelt, die es in Österreich eigentlich nicht gibt: Kickbiken. Das ist Rollerfahren als richtiger, ernsthafter Sport.

Für Milewski ist das Tretrollern aber nicht nur ein Hobby: Der Mann ist zweifacher österreichischer Staatsmeister, hat Österreich in einem Rutsch durchquert, Paris-Roubaix nieder gerungen und tritt demnächst beim nächsten Ultra-Marathon an, Zypern von West nach Ost steht am Programm.

Für die Österreich-Ausgabe der ZEIT habe ich den Salzburger und seine außergewöhnliche Doppelbegabung porträtiert. Wer sich schon jetzt über den kommenden Trendsport in der Alpenrepublik informieren will, bekommt hier einen Einblick zu Mensch und Material – und natürlich, wie man sich den richtigen Kick gibt.

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