Das Universum in 13,8 Minuten

Rudolf Wakolbinger kenne ich von Kindesbeinen an. Dass wir uns tatsächlich kennen gelernt haben, hat dann doch fast dreißig Jahre gedauert. Damals war „der Rudi“ ein zarter, etwas schüchterner Bub, der bei uns in Braunau vor der Haustür gestanden hat, um meinen Bruder abzuholen. Für mich, zehn Jahre älter, sehr cool, sehr pubertär, war der Hänfling bloß einer von vielen Kindern, die da hereingeweht kamen. Rudi habe ich dennoch nie vergessen, wirkten seine stets fragenden Augen  doch eindeutig größer als der Rest vom Wakolbinger.

Ein paar Jahrzehnte verloren wir einander, abgesehen von einigen zufälligen Treffen in der Braunauer Ein-Lokal-Szene, aus dem Blick – bis mich mein Bruder auf seine kompositorischen Umtriebe aufmerksam machte. Es ginge um nichts weniger als die Vertonung des Universums. 13,8 Milliarden Jahre. Verpackt in einer einzigen Komposition. 1036 Stimmen, größte Partitur der Welt, 1,6 Millionen Notenzeichen. Also stand ich dann eines Tages bei Rudolf Wakolbinger vor der Tür. Mit fragendem Blick. Bis ich überhaupt verstand, was da in seiner Komponier-Klause entstand,  dauerte es dann doch eine gewisse Zeit.

Irgendwann, die Idee von der Klang-Installation namens „Expansion of the Universe“ war damals bloß eine Idee, wurde mir klar, dass aus diesem Gewese um Urknall und Galaxien eine Geschichte erwächst. Die habe ich nun für die Österreich-Ausgabe der ZEIT niedergeschrieben. Man könnte es als Porträt mit mikrotonalen Einschüben bezeichnen.

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