Wandel in dynamischen Zeiten: Ich freue mich, ab sofort die Leitung der internationalen Zeitgeschichte-Tage in Braunau am Inn übernehmen zu dürfen.
Für mich als gebürtigen Braunauer, der sich als Journalist und Sachbuchautor seit jeher mit zeitgeschichtlichen Fragen beschäftigt hat, war die Anfrage der Verantwortlichen durchaus eine Auszeichnung. Nicht zuletzt angesichts des regionalen und internationalen Rufs dieser Veranstaltungsreihe und der Leistungen aller, die Jahr für Jahr daran mitgearbeitet haben, eine aktive Erinnerungskultur am Leben zu erhalten, allen voran des Vereins für Zeitgeschichte.
Eine Aufgabe, die ich gemeinsam mit Antonia Plessing (Haus der Geschichte Österreich – HdGÖ) in Angriff nehmen darf.
Seit 1992 gibt es die Zeitgeschichte-Tage in Braunau. Erdacht und initiiert, um in vielerlei Hinsicht ein Zeichen zu setzen: Um den aktuellen Strömungen und Debatten in der Zeitgeschichtsforschung eine Bühne zu geben, sich aktiv mit den Verbrechen des Nationalsozialismus, den Folgen von Antisemitismus, Rassismus, Nationalismus, Propaganda sowie allen extremistischen Positionen auseinanderzusetzen. Und das als vitalen Beitrag zu Demokratie, Meinungsvielfalt, Dialog zwischen Menschen und eine lebendige Erinnerungskultur.
Gerade weil Braunau als Geburtsort Adolf Hitlers eine historische Verantwortung trägt. Und die anhaltende, teils scharf geführte Diskussion um Vergangenheit und Zukunft des mitten in der Stadt gelegenen Geburtshauses, Salzburger Vorstadt 15, immer wieder gezeigt hat, wie wichtig die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte ist.
Es gibt nicht die eine Antwort auf diese unzähligen Fragen. Dafür bieten die Zeitgeschichte-Tage seit jeher ein Forum: für einen faktenbasierten Dialog mit Historiker:innen und Wissenschafter:innen anderer Disziplinen zu einem inhaltlichen Schwerpunkt, vor allem aber den Menschen in Braunau. Mal mit lokalen Bezügen, mal mit dem überregionalen, internationalen Blick.
Eine Botschaft, das in den vergangenen Jahren und organisiert vom Verein für Zeitgeschichte unter der Regie von Obmann Florian Kotanko weit über die Grenzen Österreichs hinaus gedrungen ist.
Über einhundert Referent:innen und Gäste aus Österreich, Deutschland, Polen, den USA oder Israel nahmen seit 1992 an der mehrtägigen Tagung teil, die nicht zuletzt dank der umfassenden Medienberichterstattung ein lebendiges Beispiel für eine aktive Auseinandersetzung mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen ist.
Im Gedenk- und Jubiläumsjahr 2025 finden die 34. Zeitgeschichte-Tage Braunau vom 26. bis 28. September statt. Auch dieses Jahr dankenswerterweise unterstützt von der oberösterreichischen Landesregierung, der Stadtgemeinde Braunau sowie allen Parteien im Gemeinderat – mit Ausnahme der FPÖ.